17.01.2012
Rennsport

Rallye Dakar 2012: Gereimtheiten und Ungereimtheiten

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Die Rallye Dakar 2012 ist Geschichte. Auch wenn sich diese wieder nicht – und das bereits zum dritten Mal – auf afrikanischem sondern auf südamerikanischem Boden fortgeschrieben hat. Zu sagen, die Schlacht wäre geschlagen, erscheint zwar gut gereimt, aber vielleicht zu dick aufgetragen. Doch angesichts der Tatsache, dass am Ende nur noch zwölf gewertete Quads die finale der dreizehn ausgetragenen Etappen ausgetragen haben – und letztlich elf es in die Endwertung geschafft haben – erscheint das Wort Schlacht nicht gar so abwegig.
Denn am Anfang waren es 33 ATV-Fahrer, die am Sonntag, dem 1. Januar 2012, in Mar del Plata / Argentinien an den Start gegangen sind, und zwar als Teil eines knapp 750 Piloten starken Starterfeldes, das neben den Quads vor allem Rallye-Autos, Motorräder, Lastkraftwagen und Buggys umfasste. Ziel war Lima / Peru, wobei der Andenstaat zum ersten Mal in der Südamerika-Version der Afrika-Rallye eine Rolle spielte.

Rallye Dakar 2012: Die Brüder Marcos (vonre) und Alejandro Patronelli auf Yamaha

9.000 Kilometer von Mar del Plata nach Lima

Die Entfernung zu diesem Ziel beträgt im Prinzip 5.000 Kilometer. Die Rallye-Version der Strecke Mar del Plata – Lima führte an vierzehn Tagen via Chile über eine Gesamtlänge von rund 9.000 Kilometern, und das mit so gut wie allem, was auch Afrika bieten kann: Schotter, Sand und Schlamm. Und mit Gegebenheiten, die auf den ursprünglichen ‚klassischen‘ Dakar-Routen nicht zu finden sind: enorme Höhenunterschiede von null bis auf mehr als 4.000 Meter, und damit auch enorme Temperatur-Differenzen.
Am Ende von dreizehn Fahrtagen – von 1. bis 15. Januar war einer ein Ruhetag und einer, der 6. Januar, musste aufgrund von abenteuerlichen Wetterbedingungen ausfallen – war das Feld auf zwölf Quads geschrumpft und das Sieger-Podium wieder einmal ein rein argentinisches: Die Brüder Alejandro und Marcos Patronelli hatten das Match an der Spitze auf familiärer Ebene ausgetragen. Alejandro dominierte am Ende vor Marcos; Tomas Maffei war als Gesamt-Dritter an die beiden heran-, doch nicht an ihnen vorbeigekommen.

Rallye Dakar 2012: Tomas Maffei auf Yamaha

Yamaha dominiert

Auch nicht gebrochen werden konnte die Yamaha-Dominanz: Unter den Top Ten firmiert im Schluss-Klassement erst auf Platz sieben ein anderes Fabrikat, und zwar Honda mit Fahrer Lucas Bonetto. Pilotiert von Daniel Mazzuco landete eine Can-Am auf Platz acht. Fast überflüssig zu erwähnen, dass beide Piloten auch Argentinier sind. Wobei doch auch eine nicht südamerikanische Nationalität unter den ersten Zehn firmiert: die in Livorno / Italien geborene 42-jährige Yamaha-Pilotin Camelia Liparoti errang als beste Quad-Fahrerin Platz 9. Sie ist nicht die einzige, die die europäische Fahne im ansonsten südamerikanisch dominierten Top-Ten End-Klassement hochhält: Der Italiener Roberto Tonetti (Yamaha Raptor 700) beendete die Rallye Dakar 2012 auf Rang sechs, und auf dem elften – und letzten – Rang firmiert der Bulgare Petar Cenkov (Can-Am).
Dabei war die argentinische Übermacht am Anfang nicht gar so übermächtig gewesen. Es war zwar ein südamerikanischer Pilot, nämlich Sergio La Fuente aus Uruguay, der es schaffte, die Start-Etappe am 1. Januar für sich zu entscheiden. Ihm dicht auf den Fersen jedoch war der Pole Łukasz Łaskawiec, der den ersten Tag auf Rang zwei beendete und die zweite Etappe am darauf folgenden Tag sogar für sich entschieden hatte. Verstärkt wurde die polnische Präsenz an der Spitze am 2. Januar durch Rafał Sonik, er landete auf Rang vier.
Doch die Freude über diesen Riesenerfolg dauerte nicht lange. Denn während einerseits alle Fahrer aller Kategorien mit den gleichen Unvorhersehbarkeiten konfrontiert waren – Schlechtwettereinbrüche und Routen-Änderungen – hatten andererseits einige mit wenig durchschaubaren Reglements-Modifikationen zu kämpfen.
So wurden die Erwartungen der beiden Polen zerschlagen, in die Gesamtwertung aufgenommen zu werden: Die Renn-Kommissare konstatierten, dass der Motor der Yamaha Raptor 700 mit einem Hubraum von 800 Kubik regelwidrig wäre. Die Konsequenz: Disqualifikation für Łaskawiec und Sonik.

Rallye Dakar 2012, die Gewinner: Alejandro (links) und Marcos Patronelli

Disqualifikation trotz bestandener Abnahme

Probleme gemacht wurden auch dem Tschechen Josef Machacek, und das ebenso wegen eines angeblich nicht zugelassenen Motors. Sein Protest wurde abgeschmettert. Daraufhin zog Machacek die Konsequenz: Ausstieg. Der fünffache Dakar-Sieger begründete diesen Schritt damit, dass er keine Motivation mehr hätte weiterzufahren: „Das Quad hat die technische Abnahme bestanden, aber aus der Gesamtwertung wurde ich ausgeschlossen.“ Obwohl er laut seiner Aussage alle benötigten Dokumente vorgelegt hatte. Es ging dabei um den Art. 2 §37 Punkt 3 für Quads und Motorräder – ein Artikel, der seit der Dakar 2011 unverändert belassen war.
Martin Macik aus Tschechien vom KM Racing Team kommentiert diese Ungereimtheit so: „Alles hängt von der Subjektivität der Kommissare ab.“ Die Definition eines Serienmotors sei nämlich nirgends festgeschrieben. Und er pflichtet Machacek bei, dass er kein Interesse daran habe, ein Rennen zu fahren, bei dem er nicht im Gesamt-Klassement gewertet würde.
Doch auch technische Tücken wurden zu einem Ausschließungsgrund: Maciej Albinowski aus Polen kämpfte mit Startproblemen seines Quads – angesichts von Defekten wie abgerissenen Aufhängungen und gebrochenen Rädern eine vergleichsweise harmlose Schwierigkeit. Doch aufgrund einer daraus resultierenden Zeitüberschreitung wurde er aus der Wertung genommen. In weiterer Folge nahm er an der Etappe nicht teil und stieg aus.

Rallye Dakar 2012

Gewertet im Ziel: nur 11 von 33 gestarteten Quad-Piloten

Dass bei diesen Ungereimtheiten die Nationalität der betroffenen Fahrer eine Rolle gespielt hätte, wird nicht bloß leise vermutet. Und der Gedanke liegt nahe: Französische Piloten mit ebenso ‚regelwidrigen‘ Motoren und genau den gleichen Dokumenten hatten sich kurzerhand dazu entschlossen, sich als Hersteller ihrer Quads zu deklarieren – und wurden daraufhin wieder in die Wertung aufgenommen. Das Ziel sah jedoch am Ende keiner von diesen: weder Christophe Declerck auf Polaris Outlaw 690, angetrieben von einem KTM-Einzylinder-Aggregat, noch die Honda-TRX-700-Fahrer Antoine Lecomte, Laurent Duverney-Pret und Frédéric Alard. So wie die fünfzehn anderen, für die das olympische Motto „Dabeisein ist alles“ sicher nicht der Beweggrund war, die Dakar 2012 anzugehen. ktx / Bilder: Auto-Medienportal.Net / DPPI

Kontakt: Rallye Dakar

Ergebnisse

Rallye Dakar 2012, Gesamtwertung

Platz Name Marke Zeit
1 Alejandro Patronelli (ARG) Yamaha 700 Raptor 05:01:51
2 Marcos Patronelli (ARG) Yamaha 700 Raptor 06:22:08
3 Tomas Maffei (ARG) Yamaha 650 GRW 07:16:12
4 Ignacio Casale (CHL) Yamaha 700 Raptor 11:11:14
5 Sergio La Fuente (URY) Yamaha 700 Raptor 13:20:57
6 Roberto Tonetti (ITA) Yamaha 700 Raptor 17:45:29
7 Lucas Bonetto (ARG) Honda TRX 700 XX 18:35:05
8 Daniel Mazzucco (ARG) Can-Am Renegade 800 X 18:39:50
9 Camelia Liparoti (ITA) Yamaha YSM 700R SE 19:17:01
10 Barry Cruces (CHL) Can-Am Renegade XXC 05:04:14
11 Petar Cenkov (BGR) Can-Am Renegade 16:21:23

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